Fliegeralarm statt Hitzefrei

Klassentreffen im "Stadtpalais"

Lemgo (me). Fliegeralarm, Splittergräben und die Berufung zum Luftwaffenhelfer: Was viele Schüler heute nur aus dem Geschichtsunterricht kennen, war für 48 Jungen, die ab 1937 das "Staatliche Reformrealgymnasium Lemgo" besuchten, später Alltag. 70 Jahre nach der Einschulung trafen sich neun Ehemalige des heutigen Engelbert-Kaempfer-Gymnasiums wieder.


Viel erlebt:Die Ex-Schüler des "Staatlichen Reformrealgymnasiums Lemgo" tauschten sich aus. FOTO: MENKE

Im "Stadtpalais" tauschten sie Erinnerungen an die gemeinsam verlebte Schulzeit in den Vorkriegs- und Kriegsjahren aus. An Erinnerungen mangelte es wahrlich nicht. Kaum jemand blickt wohl auf eine solch einschneidende Schulzeit zurück wie die neun Ehemaligen, die sich nun wieder trafen.

1937 wurden die damals 48 Jungen am "Staatlichen Reformrealgymnasium Lemgo" eingeschult. Bereits zwei Jahre später begann der Krieg, den Schulalltag der Schüler zu kennzeichnen. Der Fliegeralarm und die damit verbundene "Flucht" in die Splittergräben auf dem Schulhof war schon bald keine Seltenheit mehr. Statt Angst herrschte jedoch meist Freude, wenn etwa alle zwei Wochen der Unterricht durch einen Fliegeralarm unterbrochen wurde. "Das kann man mit dem heutigen Hitzefrei vergleichen. Jeder war froh, dass der Unterricht und manchmal sogar Arbeiten ausfielen", so Hans Helmut Stark und Helmut Büker.

1943 fand die gemeinsame Schulzeit jedoch ein jähes Ende, als die inzwischen 17-Jährigen als Luftwaffenhelfer und ein Jahr später auch als Soldaten eingesetzt wurden. Obwohl sie das Abitur zu diesem Zeitpunkt noch nicht absolviert hatten, ließen es sich die Schüler nicht nehmen, das frühzeitige Ende ihrer Schulzeit mit einem Scherz zu krönen. "Über der Schule prangte ein Transparent ,Lehrererholungsheim', und das Skelett aus dem Biologieraum hängten wir an einem Fahnenmast auf", berichtet Hans Helmut Stark.

Dass das Ende der Schulzeit für viele die Gefangenschaft oder den Tod bedeutete, war zu diesem Zeitpunkt wohl niemandem bewusst. Trotzdem kehrten nach Ende des Krieges 1945 einige wenige an die Schule zurück, um ihr Abitur nachzuholen und zu studieren.

Seit 35 Jahren treffen sich die Verbliebenen regelmäßig, um Erinnerungen an die gemeinsame, wenn auch kurze Schulzeit, wieder aufleben zu lassen. Auch im nächsten Jahr hofft sich der Jahrgang 1937 des heutigen EKG wieder zu sehen.

Quelle: Lippische Landeszeitung, 21.11.2007

22.11.07