„Eine kostbare Reliquie“

Stammbuch Engelbert Kaempfers ist von Grund auf restauriert worden

Detmold. Es ist ein ganz besonders wertwolles Stück im Besitz der Lippischen Landesbibliothek: das Stimmbuch Engelbert Kaempfers. Dank des finanziellen Engagements der Engelbert-Kaempfer-Gesellschaft konnte das Buch jetzt restauriert werden. „Engelbert Kaempfers Stammbuch gehört zu den bedeutendsten biographischen Quellen aus der Gattung ,Album amicorum‘.

Es ist zugleich eine der wichtigsten Quellen zu Kaempfers Lebenslauf, begleitete ihn von 1674 bis 1694 und umfasst damit auch die zehnjährige Weltreise, die ihn schließlich bis nach Japan führte“, berichtet Dr. Lothar Weiß, der sich intensiv mit dem Buch befasst hat. Der Zustand des postkartengroßen Büchleins habe in der Vergangenheit arg gelitten, berichtet Detlev Hellfaier, Leiter der Landesbibliothek, die das Buch also gemeinsam mit der Engelbert-Kaempfer-Gesellschaft im Herbst 2007 zu einer umfassenden Restaurierung gab. Jetzt ist das Stammbuch – Hellfaier: „so etwas wie das Poesiealbum der Barockzeit“ – zurück in Detmold. Von etwa 130 Personen erhielt Kaempfer Einträge – so unter anderem mahnende Worte ,lobende Zeugnisse, Erinnerungen an Freundschaften, verziert durch weise und gelehrte Zitate, aber auch persische und japanische Gedichte. Der Kreis der Eintragenden ist vielfältig, darunter sind neben seinem Vater polnische Professoren, bedeutende Gelehrte au der europäischen Wissenschaft, holländische Kaufleute und japanische Dolmetscher, aber auch einer der wichtigsten Fürsten Polens. Die Einträge sind in 25 verschiedenen Sprachen verfasst, sie stammen aus zehn Ländern in drei Kontinenten. Das Stammbuch wäre beinahe auch nach London in die Bibliothek des Britischen Museums gegangen, wo sich heute fast der gesamte Nachlass Kaempfers befindet. „Dank für Lippe glücklicher Fügung kam das wertvolle Stück 1867 als Geschenk aus der Dohm-Helwing-Familie an die Fürstliche Bibliothek, die heutige Lippische Landesbibliothek Detmold, und ist damit eine der wenigen ,Kaempferiana‘ in unserem Lande“, so Dr. Wolfgang Ulrich von der Engelbert-Kaempfer-Gesellschaft. Alexander von Humboldt, der es im 19. Jahrhundert einsah, bemerkte, es handele sich um „eine kostbare Reliquie“.

Quelle: Lippische Landeszeitung, 21.05.2008

25.05.2008