"Wo Kaempfer begraben ist"

Dr. Weiß über den Japan-Reisenden

Lemgo. "Wo Engelbert Kaempfer begraben ist", hatte Dr. Lothar Weiß seinen Vortrag überschrieben. Und dieser Vortrag stieß inLemgo auf ein lebhaftes Publikumsinteresse; mehr als 60 Zuhörer hatten sich eingefunden, um Neues über Kaempfer zu erfahren. Sie wurden nicht enttäuscht.
"Da die Zugehörigkeit von Engelbert Kaempfer zur Kirche St. Nicolai im Zusammenhang des Vortragsthemas eine große Rolle spielte, war Dank der Gastfreundschaft der Kirchengemeinde deren Gemeindehaus in der Papenstraße ein angemessener Ort für diesen Blick auf Kaempfers Leben und Tod", heißt es in einer Pressemitteilunng der Engelbert-Kaempfer-Gesellschaft.
Die im Staatsarchiv Detmold neu aufgefundenen eigenhändigen Briefe Kaempfers betreffen die Bestattung seiner drei früh und meistens an den Pocken verstorbenen Kinder. Sie wurden wahrscheinlich in seinem Erbbegräbnis vor dem untersten Altar in St. Nicolai bestattet. Außerdem werde aus den vorliegenden Briefen ersichtlich, dass er auch die lippische Gräfin medizinisch behandelte und dem Grafen einmal eine Ente für seine Gartenanlage schenkte.
"Nach Kaempfers Tod traten Streitigkeiten über das Recht auf, ihn zu bestatten, und über die Stelle seines Grabes. Beteiligt waren seine Witwe, die Kirchenältesten von St. Nicolai, die Witwe seines Bruders Joachim und deren ältester Sohn Johann Hermann, Kaempfers Haupterbe", so Weiß in seinem Vortrag. Mehrere Eingaben an das lippische Konsistorium und die Regierung in Detmold führten dazu, dass Kaempfer erst fast 14 Tage nach seinem Tod in St. Nicolai bestattet werden konnte.
Aus einem Kaufvertrag über eine Grabstelle lasse sich erschließen, dass sein Grab mit größter Wahrscheinlichkeit auf dem Nordchor von St. Nicolai liegt. Der Referent machte das anhand alter Pläne deutlich. Nach Abschluss des Vortrages versammelten sich die Zuhörer im Nordchor, um sich von Dr. Weiß noch einmal vor Ort seine Schlussfolgerungen zur Lage der Begräbnisstelle erläutern zu lassen.
Die Engelbert-Kaempfer-Gesellschaft schlägt nun vor, in Zusammenarbeit und mit Zustimmung der Kirchengemeinde Kaempfers Grab dort künftig in geeigneter Weise zu kennzeichnen. Die anstehenden Renovierungsarbeiten böten hierzu eine günstige Gelegenheit.
Quelle: Lippische Landeszeitung, 27.03.2007

27.03.07