Kaempfers Werk half der Queen

Professorin aus Japan referierte in Lemgo

Lemgo. Das Werk Engelbert Kaempfers über Japan war schon früh für viele Besucher des Kaiserreiches eine wichtige Infomationsquelle. Darauf wies jetzt Dr. Beatrice Bodart-Bailey in einem Vortrag vor der Engelbert-Kaempfer-Gesellschaft Lemgo hin.


Kaempfer-Kennerin: Dr. Beatrice Bodart-Bailey.Foto: Privat

Schon früh sei Kaempfers Japanwerk im Ausland als wichtige Informationsquelle anerkannt gewesen, sagte die Professorin für vergleichende Kulturwissenschaften an der Otsuma Women's University in Tokyo. "Ehe der amerikanische Kommandant Perry mit seiner Flotte Mitte des 19. Jahrhunderts Japan zur Öffnung zwang, las er Kaempfer, und als rund 100 Jahre später die britische Königin Queen Elizabeth II. ihren Staatsbesuch in Japan vorbereitete, informierte sie sich in demselben Werk", heißt es in einer Pressemitteilung der Gesellschaft.

Der Forschungsreisende, der Japan während der kulturellen Blütezeit der Genroku-Periode (1688-1704) besuchte, habe ganz anders als die japanischen Geschichtsschreiber der Zeit die Einzelheiten des täglichen Lebens, wie zum Beispiel die Toiletten, genau beschrieben. Die offizielle Historiographie hingegen bestimmten zu Kaempfers Zeiten aufgrund ihrer Bildung die Samurai, die sich nicht für den Lebensstil der Bevölkerung in den unteren Klassen interessierten. Nicht nur auf dem kulturellen Gebiet habe sich das ausgewirkt, wird Bodart-Bailey zitiert. Als Kaempfer das Land besuchte, regierte der Shogun Tsunayoshi. Er setzte sich weit mehr als seine Vorgänger für die unteren Klassen ein. Das ging auf Kosten der Samurai, die ihn dafür in ihren Berichten an die Nachwelt als Tyrannen darstellten und als "Hundeshogun" schmähten. Für den vorbehaltlosen Besucher Kaempfer sei hingegen Tsunayoshi ein zwar strenger, aber gerechter Herrscher gewesen, der sein Land wohl regierte.

"Kaempfers ausführliche Beschreibung Japans des späten 17. Jahrhunderts sowie seine noch unveröffentlichten Notizen auf diesem Gebiet sind also von größtem Wert für die heutige japanische Geschichtsschreibung, denn sie enthalten Nachricht von dem, was damals aus politischen Gründen verschwiegen wurde", schließt die Mitteilung.

Quelle: Lippische Landeszeitung, 21.12.2007

21.12.2007